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Hot Chip

Made In The Dark

Schon wieder Weltrettung von Hot Chip? Nach The Warning wurden von Made In The Dark allüberall Wunderdinge erwartet: "Pop 3.0" Befreiung aus der "Kleinstaaterei", "popkulturelle Leitlinien aus den Angeln heben".
Entsprechend war das Aufkommen der Superlative anno 08- "Platte des Monats war das absolute Minimum, "the new alternative" eigentlich auch schon länger klar, "everybody's indie darlings" die nette Variante- die Heiligsprechung der "Chorknaben mit dem Laserschwert" stand von vorn herein auf dem Programm.

Auch bei Made In The Dark ist man sich wieder einig: Hot Chip sind eine Konsensband. Warum eigentlich? Fragt sich Mario Lasar bei intro. Über den wesentlichen Grund besteht ebenso Einigkeit- Zitatpop "aus 40 Jahren Pop-Historie", wie die Zeit vermerkt und Frank Sawatzki formuliert dort nochmal den durchaus historischen Verdienst von Hot Chip, den "Fraktionen der zersplitterten Pop-Welt" eine "gemeinsame Sprache" zurückgegeben zu haben. Einzig Johanna Merhof weist darauf hin, dass LCD Soundsystem und M.I.A. vorher bereits den Weg geebnet hatten. Von ihr kommt auch ein Kritikpunkt, der anderswo mehrfach zu lesen ist: "Das Problem: Es klingt gut, aber maniriert und beinahe mathematisch berechnend". "Hot Chip kleben abenteuerliche Versatzstücke aneinander", ergänzt Rabea Weihser im Zeit-Blog und intro bringt gleich eine lustige Gegenrede von Martina Hergenröther, die trocken feststellt, dass "Konsens nervt", Hot Chip ohne viel federlesens als "Alles-richtig-Macher-Act" einsortiert und zu Made In The Dark schlicht bilanziert: "Sperriger Umleitungspop zwischen Post-Dance-Kraut und Nickerchen".
Tanzvergnügen mit "Beipackzettel" heißt es bei laut und Jens Balzer sieht in der BZ keine Message außer "geht doch" und "eine musikalische Technik, zu der man früher "Jazzrock" gesagt hätte". Auch wenn's nicht wirklich viele zur Verzweifelung treiben dürfte, "die Musikrichtung, die keine ist", kann man anstrengend finden wie Elene Ingenbrand.
Aber bei näherem Hinhören entpuppen sich auch diese Sperrigkeiten als gewollt, denn die zentrale Mission von Made In The Dark dürfte sein, dass sich Hot Chip nicht "auf einen allzu gefälligen Konsenspop festlegen lassen wollen- "Aufstand gegen die Party-Schublade" nennt das De:Bug.
Auch das Cover steht wohl in diesem Zusammenhang- zwar wird viel gerätselt aber der Bayrische Rundfunk liefert die Quellen: Typo von Bruce Springsteen 82 mit Todesstern aus Star Wars- "hui!"
Das wird man schlimmstenfalls demnächst wieder als viel zu ausgedacht empfinden, vorläufig stehen aber "leichte Hand" (BZ) und "coole Geste" (intro) klar im Vordergrund, weswegen Mario Lasar dort das derzeit treffendste Etikett parat hat: "Unprätentiöser Gebrauchspop".
Somit der Pokal der Konstrukteurs-WM 2008 klar an Hot Chip mit deutlichem Abstand zu Portishead, Santogold und TV On The Radio.


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