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LCD Soundsystem

This Is Happening

This Is Happening als Abwrackprämie für das LCD Soundsystem? Es könnte lukrativere Optionen geben. Vorerst bringt allein die Ankündigung von This Is Happening als Finale schonmal reichlich Presse. Man darf LCD Soundsystem-Boss Murphy zutrauen, dass er sowas zumindest grinsend in Kauf genommen hat.

Und der Hype funktioniert, schließlich ist James Murphy einer der Hauptverantwortlichen für die rockende Elektronik des letzten Jahrzehnts. LCD Soundsystem auf allen Titelseiten, es gibt weit und breit kaum ernste Kritik an This Is Happening, das damit für die vorderen Platze der Jahrescharts programmiert sein dürfte und bei den tagesaktuellen Börsennotierungen kurzfristig Lady Gaga von der Spitzenposition verdrängt. "Wo also liegt das Problem? (...) Gibt es überhaupt eins? Und kann uns das nicht eh egal sein?"- berechtigte Fragen vom stylemag.net

Für einen halbwegs klaren Blick auf die Nebenwirkungen von This Is Happening geht egal nicht wirklich, da ist zuerst dieser leidige "Promo-Peak" (texteundso) der lancierten Betriebsauflösung des LCD Soundsystems beiseite zu schieben. Als Begründung zitiert mtv Murphy's Hypothese, nach der LCD Soundsystem auf Albumlänge am besten funktioniere. Und da Alben in diesem Jahrzehnt nicht mehr funktionieren, "brauche es keine weiteren Platten von LCD Soundsystem". Hört sich stark nach einer Meinung an, die übernächstes Jahr problemlos revidiert werden könnte ("war kürzlich im Plattenladen und hab Alben gesehen"). Da wird der "Rücktritt vom angekündigten Rücktritt" (roteraupe) tagesaktuell mit eingebaut (genauso wie die nächste kostenlose Werbekampagne: "LCD Soundsystem ist zurück!").
musikjunkie4life dokumentiert einen anderen O-Ton: "Weil nicht sehr viele Leute eine gute vierte Platte machen, oder?". Neckische Frage des Chefauskenners- allein in diesem kleinen Blog hier folgen auf der Titelseite gleich mehrere davon: Autechre, Erykah Badu, Gil Scott-Heron, die Herren Grohl und Homme, von denen sich Sportsfreund Jack White die Taktik abgeguckt hat, öfters mal eine neue Filiale zu eröffnen. Ein erprobtes Geschäftsmodell also, das für James Murphy nicht weniger gewinnbringend sein könnte. Wenn er denn der Überzeugung bleibt, dass die Verschrottung des LCD Soundsystems dafür nützlich sei.
(Und ganz nebenbei ist mit der 4er-Durchsage noch ein hübsches Nerd-Quiz aufgestellt: Nenne Bands/Leute mit einem guten vierten Album!
Zu den genannten hätt ich noch spontan: Can, Black Flag, Prince, Peaches, Miles Davis, AC/DC, Red Hot Chili Peppers, Beastie Boys, ...)

Das nächste beliebte Quiz sind die Referenzpunkte von This Is Happening im Nerdiversum:
Für Bowie, Byrne und Mark E. Smith gibt es konsensbedingt wenig Punkte, danach winkt Distinktionsgewinn (wie die Spex das einstmals nannte).

Unter dem letzten Link (Zündfunk) heißt es auch: "Imitiert Iggy Pop beim Imitieren von Krautrock".

Tja- und allem ist irgendwas dran. Was sehr im Sinne von Sportsfreund Murphy sein dürfte: Je wilder die Assoziationen, desto mehr LCD Soundsystem.
Neu ist bei This Is Happening, dass sich recht viele in Text-Exegese versuchen, was James Murphy wohl amüsieren würde. Denn seine genuschelten Elaborate haben mehr Lückenfüll-Charakter als sonst irgendwas. (Hauptgrund für die Klimmzüge übrigens: This Is Happening liegt erstmals ein Textblatt bei ;-)
Auch hier gilt wie so oft- form follows function. Und die hat satt.org parat: "Simpler Mitsingtext, punkige Gitarren. Großartig!" (zu Drunk Girls). Und die Plattentests: "Das Blöde an Lieblingsliedern ist ja oft, dass sie viel zu kurz sind. Deshalb gibt man den anderen Songs auf dem Album irgendwann auch mal eine Chance" und auf This Is Happening "findet man ausschließlich solche Lieblingslieder".

Und solche Effekte sind durchaus eine Leistung, denn: "Dieses Album ist keine Überraschung!" (on3-radio). Das lässt sich durchaus auch als Verweigerungshaltung gegenüber "Style-Marxisten" interpretieren. Ein Status, mit dem man niemandem mehr etwas beweisen muss hat hier auch mal wieder Vorteile: "voll mit mehr gelassenheit, alles wirkt weniger rotzig und bleibt leider auch weniger eingängig" (roteraupe), was aber wohl an den versteckten Schönheiten für den "zweiten oder dritten Blick" (beatblogger) liegen dürfte.
Sensationell war vorgestern: It's only Rock'n'Disco- das kann man beklagen oder feiern (was die absolute Mehrheit tut). Entsprechend klingt die Zukunftsperpektive stark nach Arthur Dent (via Jahrgangsgeräusche- big up 2 dr. love): "Der Dancefloor kann auch die heimische Küche sein. Das Spaceship steht in der angemieteten Garage. Spießer greifen zu batteriebetriebenen Discokugeln".
Bin dabei.
(Hot Chip bestimmt auch- und der nächste Rave geht per Anhalter durch den Schrebergarten mit Bratwurst und Alster- Teilnahme nur im Bademantel...)


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