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Miss Kittin & The Hacker

Two

Da fabrizieren Miss Kittin & The Hacker "einfach wieder genau das Gleiche wie vor zehn Jahren"(tba), bringen das nach einem knappen Jahrzehnt als Zweitwerk raus, nennen es schlicht & ehrlich Two- und?
Kein Gemaule von wegen "laaangweilig", keine Beschwerden über Rückständigkeit. Im Gegenteil: Alle freuen sich- lustige Zeiten...

Miss Kittin & The Hacker

Selbstverständlich liegt viel von dieser Reaktion im semi-legendären Status begründet, der Miss Kittin & The Hacker seit der Jahrhundertwende begleitet und nun wieder allerorten herbeizitiert wird. Dass sie Electroclash miterfunden haben sollen, habe ich ehrlich gesagt nie so richtig verstanden- zumindest den "Clash"-Aspekt. Sicherlich zählen Miss Kittin & The Hacker zu den ersten, die in einer Branche, die sich selbst nur allzu gern als die Zukunft schlechthin angesehen hat, offen Retrofuturismus betrieben. Ihr Erfolg trug letztlich dazu bei, dem Techno-Lager bewusst zu machen, dass elektronische Musik eine Geschichte hat, die weiter zurückreicht als bis 1989.
Allerdings hatte der Sound von Miss Kittin & The Hacker mit Punk eher am Rande zu tun- schließlich wurde ihre schicke Elektro-Coolness alsbald zur Hintergrundmusik der Modebranche. Was sich allerdings auch als Ironie interpretieren lässt, wie Arno Raffeiner auch für intro nochmal feststellt. Immerhin: Für eine Weile konnte das als revolutionär durchgehen, wie in München plastisch beschrieben wird. Derartiger Pionierstatus zieht auch hier wieder das übliche Hauptproblem nach sich: Die Erwartungshaltung.

Two

Glücklicherweise zeigen sich Miss Kittin & The Hacker auf Two relativ unbeeindruckt von Legenden oder tagesaktueller Trendyness: "Keinerlei neue Klang-Erkenntnisse oder Sound-Raffinessen" diagnostiziert Roland Adam bei echoes-online Was an der vergleichbaren Großwetterlage liegen könnte, die The Hacker im Interview mit tba so beschreibt: "Als wir unsere ersten Platten gemacht haben, waren wir musikalisch gefangen zwischen hartem Techno einerseits und dem French Touch von Leuten wie Daft Punk auf der anderen Seite. Und heute stecken wir eben zwischen Minimal Techno und dem French Touch 2.0 von Justice und Konsorten fest. Letzten Endes hat sich da in zehn Jahren nicht viel verändert".
Ein "Urknall" ist Two deswegen wohl ebensowenig wie "aufwühlend und verstörend" (groove).

Trotzdem scheinen Miss Kittin & The Hacker mit Two zu poetischen Höhenflügen inspirieren. Wobei dies bei näherem Hinsehen allerdings nur ein einzelner Höhenflug zu sein scheint. Denn es ist kaum noch auszumachen, wer hier von wem abgeschrieben hat. Ich vermute fast, alle von Sabine Lange, die für arte tätig ist (mit denen kann man's ja machen)...

"Von Weiterentwicklung kann hier eigentlich keine Rede sein"? (Arno Raffeiner)
Vielleicht doch: "Nicht mehr ganz so unterkühlt, sondern farbenfroher und optimistischer. Dadurch wirkt das Album auch relativ frisch". Sogar "zugänglich und elegant" heißt es hier. Während dort nur "ein wenig New Order-Melancholie, Wave und hin und wieder ein bisschen Techno-Bumm" ankommt. Und anderswo zu hinterlistigen Fragen führt: "Ist soviel Science Fiction modern? Brauchen wir Elektropop-Major Tom?"
Das lässt sich zurzeit noch nicht beantworten, aber in allem Retrofuturismus "bleibt nicht viel Platz für Innovation, aber es ist äußerst gut gemacht, tanzbar und (immer noch) sehr stylisch" wie Mic für unruhr.de schön diplomatisch feststellt.
State of the art sind Miss Kittin & The Hacker nicht mehr, aber das hat Two wohl auch gar nicht sein sollen. Am Ende des ersten Jahrzehnts in diesem Jahrhundert ist das einfach nur gute Musik. Das muss man auch erstmal bringen nach all den Jahren.


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