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Doom

Born Like This

MF Doom ist verkürzt zu Doom- noch ein Steinchen im Mosaik vieler Identitäten. Wer ihn kennt, weiß dass auch auf Born Like This abseits jedweder Trendyness wieder Schrägheiten aller Couleur zu erwarten sind. Mit Doom ist der freakigste Eigenbrötler des Rap-Biz zurück- allerdings einer, dessen Einfluss womöglich stark unterschätzt wird.

Denn der Mann mit der Maske ist nicht bekannt für Kasperkram- das überlässt Doom ganz entspannt Slim Shady. Wohl nicht zuletzt Dank kluger Kooperationspolitik in der Vergangenheit (v.a. Dangermouse und Madlib) genießt Doom überall Respekt- das hat sich auch bei Born Like This nicht geändert.
Einmal mehr höchste Sympathiewerte für Doom's ruhige Selbstsicherheit: In einer Branche ständiger Image- und Strategiewechsel scheint er einer der wenigen zu sein, er genau weiß, wo er steht, was er kann, wo er hin will und irgendwem irgendwas beweisen muss er auch nicht. Sein Sound basiert seit jeher auf "jeder Menge knisternder Jazz- und Soul-Samples", ergänzt mit Einzelteilen aus B-Film Soundtracks, plus "sperrigem Flow" aus seiner "undurchdringlichen Metaphernwelt".

Doom ist ein Outlaw, der sich nichts drauf einbildet: Er ist nur Born Like This und nichts liegt ihm ferner, als zur Attacke auf's Establishment zu blasen oder mittels Old-Schoolism die Welt retten zu wollen. Die Oberlehrer und Vorturner lässt er andere spielen und trollt sich lieber in sein Kellerloch, um Comic-Welten mit Bukowski und Rumpel-Beats zu verschrauben.
Was absolut nichts mit Weltfremdheit zu tun hat. Im Gegenteil startet Born Like This gleich mit einer bös-ironischen Ansage zum Zeitgeist, die K.I.Z.-DJ Craft für die Süddeutsche übersetzt: "Auf 'Supervillainz' verarscht er (...) dieses ganze Autotune-Pop-Ding auf einem Beat, der mit Absicht total kacke klingt. So etwas feiere ich auf jeden Fall."
Noch deutlichere Hiebe für die protzenden Superstar-Kollegen (Batty Boyz), die Doom anscheinend mit eigenen Waffen zu schlagen versucht, was Missverständnisse produziert, die bei Gluediver nachzulesen sind. Memorybloc klärt den Ansatz: "Der Villain ist kein Conscious-Depp. Die Reim-Botschaften oszillieren zwischen böse, böse und clap, clap. Der Gangstakasper schmeißt mit Silbenhaufen um sich und er widerspricht sich gerne selbst: Subconscious Rap."
Denn schließlich sind es nicht zuletzt Maskerade und Identitätspolitik, mit der Doom sich Festlegungen entzieht und kalkulierte Missverständnisse wie diese produziert. Aufklärung von crazewire.

Trotz aller Eigenständigkeit werden mehrfach fehlende Neuigkeitswerte von Born Like This beklagt, was mit Zweitverwertung älterer Arbeiten begründet wird. Mal davon abgesehen, dass eben dies dem zitierten DJ Craft gerade gut gefällt, scheint mir das bestenfalls die halbe Wahrheit zu sein.
Denn auch Neuhörern könnte auffallen, dass ihnen der knarzige Trash-Sound seltsam vertraut vorkommt. Mir scheint, dass Ex-Kollaborateur Dangermouse Doom's Sound chartstauglich gemacht hat. Es ist kein Zufall, dass zuerst DangerDoom und erst Jahre später Gnarls Barkley am Start war. Das Projekt ist vom Sound bis zur Maskerade ein derartiger Nachbau von Doom's Trademarks, dass manch anderer sich wohl direkt beklaut vorgekommen wäre.
Aber es zählt zu Doom's Stärken, dass er sein Ding einfach mit stoischer Ruhe weiterfährt. Born Like This schert sich nicht um Charts & Moden, bleibt Old School der undogmatischen Sorte und bewahrt sich eine Eigenständigkeit, die manche Sportsfreunde ihr ganzes Leben lang nicht erreichen.
Weswegen ich Doom schonmal einen alten Filmtitel verleihe: Last Man Standing- ohne Nostalgie, Gejammer und andere Peinlichkeiten. Born Like This ist große Kunst und mit Sicherheit eins der Highlights 2009 (snoopfrog).

(Und nebenbei finde irgendwie verwunderlich, dass ausgerechnet Doom anscheinend einige Leute motiviert hat, schnell einen Artikel beim Content-Lieferanten zu ordern- das hier ist bekannt, dies nicht so und das naja...)


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