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Jay-Z

Kingdom Come

Kingdom Come-Back von Jay-Z: "Ja war er denn weg?"
Diese Frage von 16Bars ist berechtigt (da gibt es auch einen Schnelldurchlauf mit realistischem Fazit). Die Sache mit dem Black Album war ja von Anfang an zu durchsichtig, wie Uh-Young Kim schon damals (noch für die Spex) feststellte.

Interessant ist, dass zu erwartende Peinlichkeiten wie diese eigentlich die Minderheit bilden. Vielmehr scheint Kritik an Jay-Z's 06er Output in der Mehrzahl zu sein, wie dieser Blog vermerkt. Die Enttäuschung des Backpackers finde ich allerdings eher unberechtigt: Waren tatsächlich von Jay-Z größere Innovationen zu erwarten? Man muss ihn ja nicht gleich als die "Personalunion aus Donald Trump, Austin Powers und Notorious B.I.G." (wie hier ;-) hinstellen, der große Innovator ist er nie gewesen. Gebraucht wird er deshalb weniger dringend, auch wenn das manche meinen. Sicher: "Mit Producern wie Swizz Beatz oder den Neptunes haben wir allerdings schon mal mehr gelacht", wie Vina Yun für intro schreibt, aber das ist alles nicht das Thema. Kingdom Come ist die "Platte, auf der sich der Millionär ganz offen mit Millionärsproblemen befasst", das sieht die Zeit wohl richtig.

Ein interessanter Nebeneffekt von Jay-Z's Rückkehr, ist die Erfahrung, dass ürgerliche Printmedien mittlerweile erstaunlich zutreffende Hintergrundberichte liefern:
Die BZ sieht eine kreative Krise und stellt fest: "Es fehlen Persönlichkeiten", verhunzt aber Jay-Z's netten Spruch zu Alter & Geld.
Dafür wird in Zürich richtig zitiert und der Titel von Kingdom Come zutreffend erklärt. Auch wenn im Netz jede Kleinigkeit breitgetreten wird, die Sache mit dem Comic fehlt meistens.
Die Welt klärt die Samples von "Show me what You got" und die FAZ setzt einen interessanten Bezug zum Gangstaizm, auch wenn ich jetzt mal bezweifeln würde, dass der Jigga "alle Chancen zum sensiblen Dichterfürsten gehabt" hätte.

Wo die taz einen Grund für die Rückkunft von Jay-Z vermisst- ich könnte da schon einen ausmachen: Ein paar Jungspunde aus dem Süden schienen es in den Monaten zuvor für einen geglückten Marketing-Move zu halten, dem Big Pimp vors königliche Schienbein zu treten. Einiges von Kingdom Come lässt sich da als Antwort verstehen: Der Spruch mit dem Alter (und vor allem natürlich Geld) geht in diese Richtung. Besonders die erste (!) Single/Video-Auskoppelung geht ebenfalls raus nach Süden: "Ich bin im neuen James Bond", show me what YOU got- schlabberige Unterhemden? Möglich, dass sein neuer Angestellter auch deswegen in die gleiche Kerbe schlug.

Street-Credibility braucht Jay-Z nicht mehr, die dickste Hose hat er auch schon längst im Schrank, da kann kann er auch in der Firma in Sandalen auftauchen und auswärts trotzdem lässig aus dem Edel-Kabrio grinsen. Hier spricht der Jet-Setter mit der schicken Freundin- Just Blaze macht genau da weiter, wo deren "Crazy right now" vor Jahren aufhörte.
Ansonsten gebe ich diesem Mag mal ansatzweise Recht, Jay-Z gönnt sich einige Synkopen, die für den Einsatz im Jeep nicht taugen- ob er "seinen Hörern einiges abverlangt" sei dahingestellt. Firma laut begründet das vernünftiger, aber Schnickschnack ist das trotzdem nicht. Sondern schlicht der Cinemascope-Style, der seinem Status angemessen ist- wenn nicht bei Jay-Z, bei wem denn sonst?
Das muss man nicht mögen: Die einen empfinden das Engagement von Chris Martin als "Höhepunkt des Comebacks", die anderen nennen den "Oberpflaume". Und sowas ist auch schön ;-)
Ich bin ziemlich down mit dieser realistischen Kritik von F. Aigner bei hhv und schließe mich dem Fazit an: "2 ½ Totalausfälle, 3-4 Mal pure Magie, 7-8 Mal gepflegtes Breitwand Entertainment und einen Platz im gehobenen Mittelfeld der eindrucksvollen Carter’schen Diskografie"- Wort.


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