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Raekwon

Only Built 4 Cuban Linx Pt. II

Raekwon schien verloren- zwischen Legenden/übergroßen Erwartungen, Ankündigungen, Verschiebungen, Todesfällen, Vertragsschließungen, -auflösungen, Klassikerstatus, Gastauftritten, dem Zerfall des Clans und der Hiphop-Krise im Allgemeinen. Die Hypothek für Only Built 4 Cuban Linx Pt. II hätte wohl kaum größer sein können. Nicht wenige sind an solchen Aufgaben gescheitert, aber Raekwon the Chef zieht sich vergleichsweise achtbar aus der Affäre.

Hat wirklich jemand ernsthaft geglaubt, Raekwon könne 2009 ein Album bringen, dass den gleichen Status erreicht, wie Only Built 4 Cuban Linx 1995? Wie hätte das bitte gehen sollen, keine 15 Jahre später? Und wann war eigentlich das letzte "klassische" Hiphop-Album? Kam das am Ende von Raekwon selber?
OK- ganz so schlimm ist es nicht, aber nach 4 Jahrzehnten Beat-Science gibt es halt keine weißen Flecken auf der Reim-Weltkarte mehr. Wohin man auch hört- irgendwer war immer schon mal da. Und im Falle von Raekwon war er das im Zweifelsfall sogar selber. Ist ihm ja auch sehr recht so, denn das Mission-Statement für Only Built 4 Cuban Linx Pt. II ist erklärtermaßen Fortsetzung und eben nicht Neueroberung. Und das kann gesagt werden: Raekwon glückt das Andockmanöver an den Stand des goldenen Hiphop-Jahrzehnts nahtlos ohne Krampf und Peinlichkeiten und vor allem ohne dass man das Gefühl haben müsste, hier sollten einfach nur nochmal die guten, alten Zeiten abgefeiert werden oder dass hier ein ewig gestriger Ignorant hinterm Mond hervor gekrochen kommt. Das ist durchaus nicht wenig, vor allem wenn man bedenkt, dass die letzten Veröffentlichungen des Clans und dessen Members mit Ausnahme von Ghostface alles andere als top zu nennen waren: "Von uninspiriertem Mist über okaye Meterware bis hin zu fallweise wirklich großartigem Material ist beim Wu - Imperium jederzeit mit allem zu rechnen", kommentiert tba das Problem trocken.

Die Raekwon dort dann vergebene "Kategorie Durchschnitt" ist allerdings eher der Ausnahmefall. Ausführliches Feiern ist zwar selten, aber die Ansicht, dass Only Built 4 Cuban Linx Pt. II durchaus ein großes Album ist, scheint mehrheitsfähig zu sein- besonders im eher mageren Hiphop-Jahr 2009. Die Kritik bezieht sich eher auf Detailfragen. Allen voran das Problem der jahrelangen Vorankündigungen und Rückzieher. Wenn das der Grund für die umfangreiche Tracklist und Doppelalbumformat ist, ließe sich dem auch Positives abgewinnen, wie Hiphop-Jam notiert. Die andere Seite der Medaille ist, dass Raekwon sich des im Hiphop leider branchenüblichen Patentrezeptes bedient und auf Einkaufstour bei namhaften Beat-Manufakturen begeben hat. Die entsprechende Gästeliste begeistert nicht allzu viele. "Liest sich hochklassig, lässt aber erste Vermutungen zu, es hier mit einem munteren Durcheinander zutun zu haben, das jegliche aufkommende Atmosphäre zerstört." Der Punkt von Jai_Welc dürfte die Mehrheit repräsentieren. "Kinoatmosphäre" geht da weniger, zumal das dieser Tage ein erklärter Claim vom Kollegen Doom ist- an diesem Altmeister kommt Only Built 4 Cuban Linx Pt. II nicht vorbei.
Und nebenbei: "Einen Dr. Dre mit nur zwei Beiträgen hätte man beispielsweise komplett weglassen können." (SnoopFrog für rap4fame)

Immerhin gibt es aber auch "einige Überraschungen, die man so nicht erwartet hätte" (Hiphop-Jam) zu beobachten. Allen voran die Tatsache, "dass der sich gnadenlos vorwärts beißende Beat aus den Reglern Dillas stammen soll" (laut) der Mann war schließlich ein bekennender Smoothie, dem Gangstaism eher fern lag.
Nach so viel Hinundher hat es den Anschein, dass Raekwon Only Built 4 Cuban Linx Pt. II vor diesem Hintergrund letztlich so dringend rausbringen wollte, dass er nicht davor zurückschreckte, auch direkte Zweitverwertungen einzusetzen, was SnoopFrog hier nochmal genauer erläutert. Bilanz dort: "Es hätte erheblich schlimmer kommen können, es wäre mehr drin gewesen". Trotzdem: "Kaum einer hätte sicherlich gedacht, dass dieses Album noch so roh daherkommt wie es nun der Fall ist" (Hiphop-Jam), denn die illustre Produzentenriege hat es tatsächlich geschafft, "dem Wu-Tang-Sound Tribut zu zollen ohne angestaubt zu klingen" (thelastbeat) In einem Jahr, dessen größte Sensationen eine Neuverpackung von Altbewährtem bei Aftermath und Kleinserienproduktion von big pimp Jay-Z waren, kommt von Raekwon auf jeden Fall die bessere Durchsage.


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