Equalizer byte-funk.de

Blogs & Mags:

+++
a010_Congstar Logo 80x80

[amazon]

Santogold

Santogold ist die Zukunft der Popmusik? Santogold leistet Historisches, Santogold rettet die Welt? Da ist "Gute-Laune-Musik" fast schon eine Beleidigung, obwohl viele das fast genauso schreiben.

Egal wie: Der Konsens 2008 heißt Santogold- der Hype geht quer durch alle Schichten, was zeigt, dass Santogold bei der Style-Verschwurbelung gründliche Arbeit geleistet hat.
Bei allem Respekt: Mich wundert doch, warum die zahllosen nach Erlösung suchenden die Kollegin M.I.A. nur als nette Nachbarin erwähnen- und nicht mindestens auf ähnlichem Pathos-Level entsprechend als Prophetin sehen. Man mag den Vergleich nun als berechtigt ansehen oder nicht, Santogold verdankt M.I.A.'s Vorarbeiten im Kunterbunten eine Menge. Immerhin gut zu sehen, dass dies keineswegs zu Konkurrenzkampf, sondern zu offensichtlicher Freundschaft führt. Keine Selbstverständlichkeit im Schaugeschäft.
Der PRtechnische Unterschied zwischen den beiden liegt wohl darin, dass Santogold standing am us-amerikanischen Markt besitzt, der Europäer nach wie vor gern beargwöhnt. Die Liste der vielzitierten Supporter würden die Religiösen wohl als "ehrfurchtgebietend" bezeichnen: Kanye West, Björk, Pharrell, Timbaland, Spank Rock, usw.

Plus die ähnlich inflationär ausgebreitete Biografie als studierte Musikerin und Zuarbeiterin namhafter Acts der Musikindustrie, führt den Zündfunk zu der Festellung: "Sie ist also nicht wirklich neu im Geschäft und weiß, wie ein beeindruckendes Debüt zu klingen hat: tough, catchy und aufregend."
Eben: Santogold ist ein erfahrener Medienprofi- die Zeit dokumentiert die gut geölte Pressemaschinerie. Frank Sawatzki beschreibt dort auch die "Patchworkfigur" Santogold auch treffend als "Pool der Persönlichkeiten, aus dem Santi White sich Song für Song neu remixen kann"- was der künstlerischen Leistung wirklich keinen Abbruch tut, denn ein mutiger Stilmix entpuppt sich im Rampenlicht allzu oft als "vermatschte Retrospektive", wie die taz unfreiwillig böse meint. Nichts dergleichen bei Santogold, das klingt alles, als ob "hybride Großstadtmusik" schon immer so getönt hätte. Mag auch sein, dass ihr stilistisches Spektrum nicht nur breiter, sondern auch massenkompatibler ist, als das von M.I.A.- mindenstens Punk-/Indie-Rock hat sie der voraus, was für die große Koalition der Fans keine unwesentliche Rolle spielen dürfte.

Ebenso sind lustige Koalitionen von BBC bis Ghaddafi (wenn die Klangschau recht hat) Wasser auf die Mühlen der PR und spätestens, wenn sich Michael Jackson in Abu Dhabi mit einer Raubkopie als Fan outet, hat Santogold die Lacher auf ihrer Seite. Und Support von der Mode-Branche ist auch nicht schlecht.
Zwischen all den Kniefällen gibt es trotzdem vereinzelte Stimmen, die den wilden Style-Mashup "mühselig zu kategorisieren" finden (laut). "Etwas Geduld muss man schon haben", sagt Fräulein Schwarz und im campus-web traut sich Mareike Lütge gar zu schreiben, das es auch hier "nicht nur Hits" gibt. Aber: "Das tut der überwiegenden Großartigkeit der Platte aber keinen Abbruch"- Eben.


Creative Commons

Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.) bookmarken