Equalizer byte-funk.de
+++
a010_Congstar Logo 80x80

[amazon]

Lady Sovereign

Public Warning

Lady Sovereign's Arbeit an Public Warning hat sehr viel Zeit gekostet, deswegen wie im Hause Groove genervt zu reagieren, ist aber durchaus ungerecht. Oberflächlich betrachtet sieht es natürlich so aus: Londoner Vorstadt-Mädel wird von legendärem New Yorker Hiphop-Label (Def Jam) als erste europäische Künstlerin überhaupt unter Vertrag genommen. Aber was erstmal wie ein Pop-Märchen wirkt und Lady Sovereign reichlich Sellout-Vorwürfe der damals noch lebendigen Grime-Szene eintrug, ist in Wirklichkeit ein typischer Hustle auf dem musikorientierten Kapitalmarkt geworden.

Wie Lady Sovereign Johanna Grabsch von de:bug (04/07) berichtet, ist Public Warning von einigen Geschäftsleuten so lange herumgeschubst worden, bis es irgendwann dem Big Pimp von Def Jam als eine Art Schnäppchen vor die Füße viel. Dieser verfuhr mit dem "Material" nach Gutsherrenart, ohne Lady Sovereign viel Mitspracherechte bei der Auswahl zu lassen und selbst der Auftritt von Missy scheint als routinierter PR-Deal abgewickelt worden zu sein: Madame schickte eine Datei mit ihrem Part per Mail. Naiv, wer da an reale "Collabo" glaubt...
Und wo Louise Harman dann noch auf Marketing-Ochsentour durch die Staaten gehetzt wurde, ist ihr vielleicht doch nachzusehen, dass sie beim Anblick eines Glückskindes, dem dank maßgeschneiderter Sounds spontaner Weltruhm vor die Füße plumpst, nicht allzu amused reagiert.

Dass Public Warning einige Stücke enthält, die breits seit längerem frei im Netz erhältlich sind, ist allem Anschein nach keineswegs die Schuld von Lady Sovereign- die Auswahl wurde ohne sie getroffen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist erstaunlich, wie frisch der Sound nach wie vor klingt. Auch wenn sie dieser Tage nicht mehr allzu gern mit Grime assoziiert werden will, ist ihr Ansatz ohne nicht denkbar. Besonders vor dem Hintergrund des hochglanzveredelten nordamerikanischen Produktionsstandards hat das eine Menge Power.
Stimmt allerdings ihre Aussage gegenüber de:bug, dass sich die britische Grime-Szene mittlerweile in Depression befindet, darf befürchtet werden, dass die frische Brise ein laues Lüftchen bleibt. Ich für meinen Teil drücke Lady Sovereign beide Daumen, dass verhindern kann, im BigBiz verheizt zu werden.


Creative Commons

Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.) bookmarken