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Lily Allen

It's Not Me, It's You

Mädchenträume- das hat Lily Allen nun davon: Von It's Not Me, It's You erwarten alle Bubblegum. Wer mit dem Trademark rotzfreche Göre durch die Schlagzeilen der britischen Yellow Press torkelt, darf sich nicht wundern, wenn die schreibende Zunft beim neuen Album nichts anderes zu tun hat, als die Texte nach schlagzeilen-tauglichem Skandal-Potenzial abzusuchen. Während sich alle anderen hauptsächlich mit der Frage beschäftigen, ob Lily Allen denn nun mit It's Not Me, It's You irgendwie "erwachsen" geworden wäre.

Womöglich stört sie das sogar recht wenig, denn sie hat ihr Potenzial vom Start weg realistisch eingeschätzt und ihre offensive Ehrlichkeit spiegelt sich auch bei It's Not Me, It's You in ihrer Musik wider. Lily Allen hat nie mehr verkaufen wollen, als Tralala-Pop- und solch konsequenter Reduktionismus geht nicht ohne reichlich Grundintelligenz. Wobei quietschbunter Elektro-Pop durchaus den Nachteil mit sich bringt, unter der Zuckerwatte ins Ereignisarme zu tendieren und "früher oder später eher unbemerkt" vorbeizuziehen. Vielleicht gerade deswegen nimmt sich Lily Allen auch hier wieder die Freiheit, der Branche von weltfremden Teenie-Girlies und leichtbekleideten Sexpüppchen als Chucky's Schwester den Zerrspiegel vorzuhalten. Das mit dem Teenie-Geburtstag ist schließlich genau der Plan. Und während die Einen ihre Texte sezieren und die Anderen das Kunstkonzept belächeln, nimmt Lily Allen mit, was ihr geboten wird und feiert die Feste wie sie fallen. In aller Selbstironie mit kulleräugiger Unschuldsmiene- das hat seit Nina Hagen kaum eine hingekriegt, ohne völlig abzusaufen.

Dass vom ersten MySpace-Weltstar nach einigen Skandalen ein Zweitwerk wie It's Not Me, It's You nicht zu erwarten gewesen wäre, ist wohl leicht übertrieben. Trotzdem ist an der Beobachtung was dran, dass die Musik der Skandalnudel inzwischen kaum noch unvorbelastet anzuhören ist.
Denn sie hat nie einen Hehl aus einfachen Strukturen gemacht, weswegen der Anwurf, It's Not Me, It's You sei eine "kaum spektakuläre Pop-Platte" schon als Bestätigung für Lily Allen zu sehen ist. It's Not Me, It's You "verpackt Lullaby-Melodien in gefälligen, unaufgeregten Elektro-Pop", bemerkt man dazu in Wien. Denn solcher Sound muss ja den Widerpart zu den gewohnt bissigen Texten liefern, was mancherorts als "beinah zwanghafte Streitlust" ankommt. Das kann man durchaus mal "extrem lässig" finden, mögen muss man das trotzdem nicht, wie die Spex realistisch feststellt.
Und wenn man eine ebenso spitze Feder führt, wie Lily selbst, kann man auch zu diesem Schluss kommen:
"Melodien mit der Halbwertszeit einer angebrochenen Milchtüte werden mit poppigen Beats aufgerüscht und dazu trällert die gute Lily was"- genau das ist es. Dass es dem Formatradio gefällt, ist part of the game- das Massenpublikum sieht's ähnlich. Weswegen ein solcher Verriss völlig ins Leere läuft (auch wenn ganz heiter ist, dass dieser ebenso vom Radio kommt). Allerdings stimmt schon: Der Witz ist weg- Überraschungseffekt war gestern und die Frechheit von damals jetzt ihre Marktnische, weswegen ein paar Hänger nicht wegzudiskutieren sind. It's Not Me, It's You aber nun gleich "dated" und "überflüssig" (Spex) zu zeihen, ist wohl eher overgaged- allerdings ist schon zu hören, dass Lily Allens jugendlicher Leichtsinn zurückgefahren wurde und damit auch die fluffigen Beats dahin sind. Das entspricht der branchenüblichen Diversifizierungsstrategie beim zweiten Longplayer- so ist das Geschäft...


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