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Arcade Fire

The Suburbs

The Suburbs ist die Rückkunft der Säulenheiligen des letzten Indie-Jahrzehnts. Mit selbst heraufbeschworenen Heilserwartungen befrachtete Arcade Fire treffen anno 2010 auf einen Mainstream aus Feuilletons, Alt-Rock-Päpsten, Gelegenheitskonsumenten und Indie-Fans, für die Stadion-Rock kein Problem mehr darstellt.

So richtig übel nehmen Arcade Fire eine derartig unheilige Allianz nur wenige. Nur ein Indie-aner :o) bei der FAZ zitiert den Flaming Lips-Sänger, der sich eines Tages über die "pompusness" von Arcade Fire beschwerte.
Für mich immer noch verkehrte Welt, wenn das Zentralorgan des bildungsbürgerlichen Kulturbetriebes ehemalige Subkultur-Argumentationen fährt (und dann auch noch das Einzige ist, das sowas auch treffend hinbekommt). Aber OK- etwas wie Subkultur existiert in diesem Jahrhundert wie gesagt (-> Pop ist tot?) auch gar nicht mehr, aber ein wenig verwunderlich ist ein derartig radikaler Wertewandel trotzdem noch.
Schließlich wären nicht Wenige der Generation Sonic Youth und Dinosaur Jr. wohl lieber gestorben, als Bono, Peter Gabriel, Bruce Springsteen, David Bowie und Gott-weiss-noch-wen zu ihren Fans zu zählen, während der eigene Sound bei The Suburbs mit Abba, Travelling Wilburies oder Meat Loaf verglichen wird (bekanntlich praktizierte einer, der in der Mainstream-Welt nicht als Popstar existieren wollte, die Selbstentleibung sogar tatsächlich).
Meine persönlich-stilistische Beschwerde geht eher dahin, dass The Arcade Fire mit The Suburbs leider ohne Not zahllose Schreiber-Kohorten dazu veranlasst haben, Betroffenheitslyrik über die eigene Provinzjugend in aller Öffentlichkeit auszubreiten. Zugegebenermaßen nebensächlich- schließlich ist das ja nicht ihre Schuld.

Soundtechnisch wird The Suburbs vielfach zurückhaltender Umgang mit früherem Pathos/Bombast attestiert. Was einer Band, "der der Wille zur Größe nur so aus den Theaterfundusklamotten qualmt" (FAZ) und der bei einer Neuerscheinung "gleich das Etikett 'wichtig'" anhaftet (Ariane WhiteTapes), gar nicht so schlecht zu Gesicht steht.
Da kann man fehlende "Erhabenheit" (Zündfunk) beklagen oder genauso gut von einem "neuen Anlauf" (Schallplattenmann) sprechen. Letzterer Kollege diagnostiziert bei The Arcade Fire entsprechend schlicht "für ihre Verhältnisse relativ kompakten Folk-Rock", was unter denen, die der Heldenstatus weniger beeindruckt, zumeist ähnlich vermerkt wird.
Und beim Thema Folk-Rock sind The Arcade Fire nicht nur metaphorisch zu Hause angekommen: "Mit The Suburbs haben Arcade Fire auch musikalisch den Status akzeptiert, den sie inzwischen innehaben", heißt es bei Platte 3. Das lässt sich als "Übergang von einer Band zur Institution" (78s.ch) feiern oder als Verlust von Radikalität beklagen.
Was The Arcade Fire nicht davon abhält, The Suburbs mit stilistischen Ausflügen auszustatten, die bei manchen Verblüffung auslösen. Die Folge ist wie so oft, dass die Einen eine "musikalische Klammer" vermissen, während The Suburbs Anderen "aus einem Guss" (focus) vorkommt. Scheinbare Zwiespältigkeit ist in Wirklichkeit Programm:
"Wenn man will, kann man das Album als einen einzigen langen Song hören, die einzelnen Lieder funktionieren dann wie Songteile" übersetzt das Bands Magazine. The Arcade Fire wollen das auf jeden Fall so- The Suburbs ist ein "Konzeptalbum über das Vorstadtleben" (laxmag). Ein ehedem übel beleumundetes Wort, das dieser Tage nur noch Besprecher vom intro aufregt.
Trotz renovierter Fassade ist die Bausubstanz natürlich geblieben, weswegen crazewire hübsch trocken feststellt: "Musik, Sound und Ambition verraten keine Neuigkeiten. Gewohnte Momente von Pomp und Ausbrüchen, immer haarscharf am Kitsch vorbei". Die Basis bleibt der omnipräsente "Seelenschmerz" (FastForward). "Auch im Vorort gibt es Probleme, die sich beklagen lassen. Und ein fröhliches Album kann man The Suburbs wohl nicht nennen", heißt es gestromt, während die Wiener Zeitung ganz korrekt ein unbedingtes "Bekenntnis zur (antimodernistischen) Romantik" diagnostiziert. Mehr treffende Schlussworte aus dem Süden: "The Suburbs" ist ein feiner, intelligenter Hit für die geschmackssicheren Kreise." (evolver.at). An die Revolutionisten: "Hätte irgendeine andere Band ein solches Album produziert, würde man wahrscheinlich 'Meisterwerk' rufen" (now-on.at)- na sicher: Gang zurück ist nicht verkehrt- etwas Entspannung im Hype hat noch keinem Hoffnungsträger geschadet...


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