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Blumfeld

Verbotene Früchte

Wie jede Blumfeld war auch Verbotene Früchte wieder eine Riesensause fürs bildungsbürgerliche Feuilleton- dort ist Jochen Distelmeyer mindestens der Bundespräsident des Gitarrenpop.
Das Für und Wider von Verbotene Früchte ist in den hiesigen Medien dermaßen breit gewalzt worden, dass es aus meiner Sicht tatsächlich nichts mehr gibt, als auf die besten Überblicke und ein paar Highlights hinzuweisen (und die sind durchaus für die eine oder andere Überraschung gut).

Pros & Cons zu Blumfelds letzter vielleicht nur exemplarisch:
Contra von Michael Streitberger im sellfish-Mag, was ich deswegen besonders interessant finde, weil es gerade nicht von einem alten Ich-Maschine-Fan kommt, sondern von einem bekennenden "Weichei", das den Pop von Old Nobody mochte.
Pro von Christina Mohr für satt.org, weils gleichzeitig auch eine kleine Presseschau beinhaltet.
Apropos Presseschau: Eine gute mit gleichzeitigen Hörbeispielen kommt vom österreichischen ORF, eine andere von der Zeit und die beste Referenzhölle wie immer von single-generation.

Aus der restlichen Blumfeld-Linkflut bleiben noch die Überraschungen: Jens Balzer gibt für die BZ den Freudianer der Diskurs-WG und erklärt den Werdegang von Blumfeld mit Sex. Bis hin zum Apfelmann passt das tatsächlich ebenso wie die Verortung von Verbotene Früchte in Richtung Neo-Folk.
Unter den Verrissen herausragend ist der von Arno Frank in der taz: Die Ich-Maschine als "Pop-Äquivalent zur artig umhäkelten Klorolle" und Verbotene Früchte als "musikalischer Wackeldackel" hinterm Kindersitz- "Haste überhaupt 'nen Überbau, ey?"
Der überraschende Abgesang kommt von der Rheinischen Post, wo Philipp Holstein Blumfeld zuerst korrekt in die Szenerie der frühen 90er einsortiert trocken feststellt: "Distelmeyer hatte so viel gelesen, dass er kaum geradeaus laufen konnte". Vor allem wird sehr klarsichtig das größte Problem der Blumfeld-Alben nach der Jahrhundertwende diagnostiziert: Sie "wurden mühsam" und "brachten keine Erkenntnisse mehr". Das würde Jochen Distelmeyer womöglich selbst unterschreiben. Das Fazit zu Verbotene Früchte ist ebenso zitierenswert:
"Das ist wunderschön. Und stinklangweilig. Rückzug ist okay. Aber langweilig ist ein Skandal. Kurz nach Erscheinen der Platte gab Distelmeyer die Trennung der vormals besten deutschen Band bekannt."


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