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Kreator

Hordes Of Chaos

Wenn alte Kämpfer wie Kreator mit Hordes Of Chaos einen Schritt zurück gehen und das auch noch allen sagen, sind Traditionsmetall-Verdächtigungen vorprogrammiert. Wieder mal Debatten um Modernität zwischen Freunden schicker Produktion und wertkonservativen Old-Schoolern. Es geht "wieder mal um alles", wie ein Thrasher-Zine namens "taz" feststellt. Nun denn...

Kreator's Neue hat für Informationsfreunde, die die Szene-internen Debatten eher selten verfolgen, einen Vorteil: Hordes Of Chaos reißt mal wieder alte Gräben auf. Ein weiteres Mal lässt sich feststellen, dass in den Gefilden des Schwermetall vieles deutlicher zu Tage tritt, was anderswo auch vorhanden ist, aber nicht so offen ausgetragen wird.
So sind es 3 Metaller-Horden, die für und wider Kreator aus der Deckung kommen:

  • Die Revolutionisten, die von ihren Vorkämpfern erwarten, dass sie ihnen einmal im Jahr die Phantasie vermitteln, bei der Neuerschaffung der Welt an vorderster Front zu stehen.
    (Da geht die Rückbesinnung, die Kreator mit Hordes Of Chaos praktizieren, dann gar nicht.)
  • Horde 2: Die Modernisten, für die ein großmächtiges Metal-Album nur mit allerneuester Bewaffnung funktionieren kann. Dort ist man der Meinung, dass die Durchschlagskraft im Eimer ist, wenn Dreck im Getriebe knirscht.
  • Und die Traditionalisten, wobei "Früher war alles besser" im Lande Metal die Zeit vor dem meint, was in der Wikipedia so nett als Thrash-Metal-Depression am Ende der 80er beschrieben wird. Hier finden Kreator selbstverständlich Applaus und es sind anscheinend nicht wenige der Ansicht, Hordes Of Chaos führe "zurück in die Zeit als Thrash noch Thrash war".

Doch ist die Reise zurück in die Zukunft auch nicht so, wie sie zunächst scheint, wie allein bei neckbreaker.de bemerkt wurde: "Allerdings darf man bei dieser Sache nicht vergessen, dass KREATOR sowohl genug Zeit und somit auch Geld zur Verfügung hatten und auch die entsprechenden Profis engagieren konnten, ohne die (...) eine Liveaufnahme natürlich nicht die Qualität von 'Hordes Of Chaos' erreichen" würde.
Durch schlichtes Weglassen mal eben einen Old-School-Sound hinzubekommen, der auch im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts kickt, ist ein Missverständnis. Und bei allen Debatten um Indie-Producer Moses Schneider (Tocotronic, Beatsteaks) wird meistens Übersehen, dass das Mastering von Colin Richardson (Slipknot, uvm.) durchgeführt wurde.

Schließlich sind es Kreator selbst, die die Gemengelage im Staate Metal verkörpern. Denn man hatte sich in den 90ern mit Grenzüberschreitung in Richtung Industrial einige Feinde unter den Überlebenden der goldenen Zeiten gemacht, was den zugereisten Neu-Metallern sowieso egal war. Diese Frontenverschwurbelung hat Folgen bis heute. Denn die Grenzöffnung hat eine Menge Nachwuchs mit frischen Ideen gebracht, so dass Metal dieser Tage womöglich so populär ist wie nie. Andererseits ist ein Weltbild untergegangen, was sich dieser Tage nicht nur darin äußert, dass über die neue Metallica im Fernsehen von Klatschmagazinen berichtet wird, die als nächstes zur Audienz von Königin Silvia ziehen.

Im Falle von Kreator wird sich noch mancher wundern, dass Hordes Of Chaos ausgerechnet hier als einziges Album der Woche mit 5 Sternen dekoriert wird, während es in der Kritik heißt: "Einst war Heavy Metal das Lied des bösen Jungen. Musik, von der Gefahr ausging. Underground, Liebhaberzeugs, im besten Falle: Lärm. Heute eröffnen Feuerwehrkapellen Metal-Festivals" (...)
Tja: Das stimmt sogar.
Und dieses Thrasher-Magazin bilanziert noch härter: "Es ist kein Wunder, dass der Heavy Metal gerade einen Ansturm mittelalter Mittelschichtler zu bewältigen hat. Man freut sich über Motörhead als Zeitzeugen des Industriezeitalters, über Slayer und Metallica als zuverlässige Handwerker. Man hat sich damit abgefunden, Teil des herrschenden Systems zu sein. Schon deshalb möchte niemand auf den regelmäßigen Urlaub vom System verzichten. Heavy Metal zur Hygiene". Auch das ist *umpf* wohl korrekt beobachtet.

Das Resultat im Falle von Hordes Of Chaos wird einzig bei in-your-face.de direkt beschrieben: "Mit Erreichen von Platz 16 der deutschen Albumcharts sowie dem erstmaligen Sprung in die US-Top 100 haben die Musiker um Kopf und Mastermind Mille mit dem derzeitigen Full-Length Erfolge gefeiert, die bislang mit keiner KREATOR-Veröffentlichung gelang."
Aber: "Gelegenheitshörer, die so tun als würden sie die alten Metallica mögen und deshalb aus Prinzip die neue Platte hochloben, sollten die Finger von "Hordes Of Chaos" lassen. Sie könnten merken, wie kraftlos "Death Magnetic" im Vergleich zu diesem Stück hier eigentlich ist ... " Das sieht man im südlichen Nachbarländle wohl ganz richtig.
Fazit anderswo: "Auch 2009 kann Thrash Metal noch frisch und lebendig klingen." (medienkonverter)
"Der größtmögliche Wurf, den man als 80er-Thrash-Metal-Legende 2009 überhaupt bringen kann" (intro)
"Viel besser kann man intelligenten Thrash-Metal kaum schmieden" (durchdeswelt).
Oder schlicht: "Mille kann noch immer nicht singen und die Scheibe knallt wie eine Bombe. Danke für die Aufmerksamkeit, Rezi zu Ende" (metal-online ;-)


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