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The Lemonheads

The Lemonheads

Für alle, denen dieser Tage Status/Stardom von The Lemonheads/Evan Dando unbekannt ist, hier vorab mal eine Einordnung in kurz&vernünftig - das kann schon reichen.
Denn mit der Rückkehr von The Lemonheads 2006 beeilten sich alle, die zu Studienzeiten kaum um The Lemonheads und vor allem Evan Dando herum kamen, schnell nochmal ein wenig Zeilenmaterial aus den alten Klischees zu schlagen. Als da wären: Poster-Boy des Grunge, prototypischer Slacker der Generation X (Live-Eindruck von The Lemonheads hier), Womanizer. Letzteres wird von meinungsführenden Frauen bestätigt. Und Christina Mohr erläutert ausführlich, "was die Rückkehr der Lemonheads von üblichen Begegnungen mit Exfreunden unterscheidet".

All dies der Hintergrund dafür, dass ausgerechnet mtv sich dazu versteigt, Evan Dando als "eine der zwielichtigsten Personen der Indie-Kultur" zu beschimpfen (ja, für die dortigen Verhältnisse ist das nichts anderes).
Letzten Endes machten The Lemonheads schon jahrelang das, wofür hinterher hauptsächlich Nirvana den Jackpot kassierten. Trotzdem gehört es zu den Seltsamkeiten, dass sich alle daran gewöhnt hatten, über Evan Dando die Nase zu rümpfen, was bis heute nachklingt. Die gleichen Leute schwiegen übrigens zur zeitgleich erfolgten totalen Durchkommerzialisierung von Indie, der durch Umdeklarierung zu "Alternative" fast seine Identität verloren hätte. Neben dem Hype der Arctic Monkeys ist Evan Dando immer noch ein Waisenknabe.

Die kompetenteste Besprechung von The Lemonheads hatte Uwe Viehmann für die Spex. Was ich hier deswegen ausdrücklich erwähnen möchte, weil die neuen Machthaber dort offensichtlich die Arbeit der alten Redaktion ausradieren möchten, während sie aus deren Publikationen weiterhin Kapital zu schlagen versuchen.
Uwe Viehmann war auch der einzige, der die Kunst von Evan Dando ohne Umschweife benennen konnte: "Das Betexten sich nie ultrawichtig nehmender Songs mit nicht nichtigen Themen". Sowas schaffen sonst nur noch andere Überlebende der damaligen Zeiten. Denn eine "Nostalgie-Revue" liefern The Lemonheads mitnichten und die zentrale Achse der Descendents ist weder "austauschbar", noch gar "wild zusammengecastet". Es durchaus einige Leute, die diesen Drive sofort erkennen. Wer sonst nur den neuesten Hype beklatscht, versteht sowas natürlich überhaupt nicht. Oder meint gar "schmunzeln" zu müssen...

Kritik in Vernünftig würde ich diese vom schweizer 78sec-Blog nennen (auch weil es der einzige ist, der mit Beck den direkten Nachfahren benennen kann).
Fazit von Uwe Viehmann: "Gerade weil hier nie allzu offensichtliche Hits abgefeuert werden, bietet dieses Album genug Fleisch für 20 Durchgänge und mehr"- das sollen die The-Combos erstmal nachmachen.
Halt- einen hab ich noch: Das bekannte Underground-Zine Welt sah The Lemonheads/Dando in Gefahr, "von Elitestrebern zur Symbolfigur erklärt" zu werden.
Während die Platzierung in sämtlichen Jahrescharts 2006 klar machte, dass das geneigte Publikum den unpeinlichen Rückgriff auf alte Qualitäten als das anerkennen konnte, was es ist. Und: Mädchenmusik machen nur die ganz Großen.


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