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Metallica

Death Magnetic

Was für Zeiten: Metallica's Death Magnetic ist Volksmusik für die ganze Familie, wie man höchstselbst im eigenen Kanal verlautet. Entsprechend standen TV-Klatschmagazine bei der frohen Niederkunft von Metallica Schlange, als wär's ein britischer Thronfolger.

Man kann sich wirklich wundern wie Heiko auf metal.de:
"Plötzlich ist die böseste und grausamste aller Subkulturen offenbar gut genug, um doch die ein oder andere Schlagzeile oder einen Programmslot im 'seriösen Journalismus' zu füllen".

Die medialen Zuständigkeiten sehen inzwischen bei Death Magnetic ungefähr so aus:

Vor solchem Hintergrund stellt sich die spannende Frage, "was diese Millionen mit der Platte dann eigentlich machen". So Paul-Philip Hanske in der Süddeutschen, wo für Interessierte auch das Mainstream-Phänomen Metallica erläutert wird.
Da wundert es nur noch wenig, dass tatsächlich sachkundige Berichterstattung zu Death Magnetic von der Bürgerpresse kommt. Am allerwenigsten vom ehemaligen Spex-Chef Dietmar Dath, der für die faz die mit Abstand beste Einordnung in Metallicas Gesamtwerk vornimmt, mit netter (Selbst-)Ironie begründet, warum Death Magnetic "klappt wie lange nicht" und Kulturinteressierten nebenbei noch erklärt, was Härte im Metal bedeutet und warum "präludierendes Klaviergeschlumpfe" hier keinen Schaden anrichtet.
Zwar muss nicht, wie im bereits eingangs erwähnten Welt-Artikel von der "Musikgeschichte des Abendlandes" getönt werden, aber Friedrich Pohl erklärt dort gründlich, was Metallica mit Kunst zu tun haben und warum "Quintenrücken" moderne Kammermusik ist. Popkulturell trotzdem wertvoll.
Höchst verwunderlich allerdings, dass Kritik an Death Magnetic ausgerechnet aus der Bildzeitung tönt: "Die Härte, sie ist da, aber sie ist frei von jedweden Einflüssen der Moderne: Etwas mehr Bass, etwas mehr Wumms, das hätte man sich manchmal schon gewünscht." Was für Zeiten...
Andere kritische Stimmen im allgemeinen Gehudel erinnern nochmal an Metallicas Position zu anderen Aspekten der Moderne und stellen "Mr. Ulrich" gar spitze Fragen zu solchem Behufe. Allerdings nicht ganz zu unrecht, wie sich eine Woche später rausstellte.

Bei aller Faszination vom Mainstream-Getöse stellt sich dann aber doch mal die Frage, was eigentlich die Metal-Szene von der neusten Metallica hält. Die sieht Death Magnetic nämlich überwiegend kritisch. Drei Aspekte scheinen dort Konsens zu sein:

  • Die Stücke sind zu lang,
  • keiner mag Lars Ulrich und
  • Death Magnetic ist das beste Metallica-Album seit mindestens 15 Jahren
Die Einen finden Rick Rubin scheiße, die Anderen danken überschwenglich.
Die Skepsis hat Vorgeschichte- kurz angerissen von metal-district, ausführlicher von metal.de, wo Heiko nicht ganz zu unrecht vermutet, dass nun wieder die alten Fans "den Herren Superstars (...) das Geld in den Arsch blasen sollen".
"Für andere sind sie geradezu der Inbegriff dessen, was sie im Metal nicht sehen wollen", ergänzt Michael Bach von bloodchamber.de. "Arschlochmagnet" heißt es
anderswo trocken. Während bei metalnews.de gefeiert wird. "Überraschenderweise weder Katastrophe noch weniger überraschenderweise Geniestreich, durchaus gut hörbar"- metal-inside.de. Oder: "Letztlich nur altbekannte Ideen" burnermag.ch.
Nicht-metallisches Schlusswort von Roland Adam für echoes-online: "Ein perfektes Beispiel dafür, wie ein Album klingt, das in erster Linie mit Bemühen verbunden ist und unbedingt gefallen will".


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