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The Notwist

The Devil, You + Me

The Notwist muten dem Markt 2008 mit The Devil, You + Me einiges zu:
Wehmutsweisen oder verträumtester Grenzgängerpop?
Angst vor Lautstärke oder ein Elektro-Frickel-Album?
Kammermusikalisches Ambiente oder Elektronika im orchestralen Kleister?
Beim wdr versucht man's ratlos mit Aneinanderreihung der Ingredienzien ("Indie-Electro-Jazz-Pop")
Tatsächlich wieder Pop von morgen?

Die Klimmzüge der schreibenden Zunft beleuchten die erfolgreiche Verweigerungshaltung von The Notwist. Denn The Notwist, "die einzige deutsche Indie-Popband von Weltruf" (intro), haben mit The Devil, You + Me ein schwieriges Erbe anzutreten, der Welterfolg Neon Golden ist unwiederholbar, wie evolver und viele andere unisono feststellen. "Gegen einen Mythos kommt man nicht an", vermerkt Christian Ihle dazu im taz-blog und wagt die These, dass The Devil, You + Me deswegen "bei vielen an zu hohen Erwartungen scheitern" wird- die Enttäuschung beim Nachbarblatt zeigt das.
Entsprechend schwer tat man sich offensichtlich bei The Notwist, wie die vielzitierte lange Pause belegt und schließlich dagegen entschieden, die "Songs in irgendeiner Weise radio- und damit massenkompatibel zu machen", wie das bekannte Underground-Zine focus kommentiert.

Bei allen Beschreibungs- und Analyseversuchen sind aber Änderungen am Sound von The Notwist "in den letzten sechs Jahren erwartbar, also verhältnismäßig gering ausgefallen", wie intro und einige andere feststellen: "Kein Dementieren der eigenen Standards" nennt das Beatpunk Chris und "Perfektion der eigenen Stärken" heißt es dazu an der Spree. Und die liegt spätestens ab The Devil, You + Me darin, "Songs bis ins Feinste zu konstruieren" (campuscharts). Das Kunststück hierbei ist allerdings, es trotzdem "gelassen und entspannt" klingen zu lassen- das haben The Notwist den anderen Konstrukteuren 08 (Portishead, TV On The Radio) klar voraus, auch wenn solches Understatement hie und da als "scheinbare Teilnahmslosigkeit" empfunden wird. Ob das nun "gedachte Hymnen" sind oder "Weltverzagtheit der heute 30- bis 40-Jährigen" (Tagesspiegel), sei mal dahingestellt.
Viel diskutiert ist der Einsatz eines Orchesters, wodurch der eigentliche Kern von The Devil, You + Me fast völlig aus dem Blick gerät. Denn das sind mal wieder die Sixties- nur in Bayern bleibt sowas nicht verborgen, wo der Zündfunk Neil Young und Nick Drake als Referenzen listet und vermerkt: "Es gibt also viele Sounds aus den 60ern zu hören: Spinett, Xylophon und Glockenspiel."
echoes-online sind die Einzigen, die endlich auch das Artwork ins Kunstkonept mit einbeziehen. Und: Bin ich eigentlich der Einzige, den das irgendwie an den Apfelmann vom anderen Ende der Republik erinnert?
Tja: "Die Grenzen des Universums" (Zeit-Blog) haben The Notwist mit The Devil, You + Me nicht verschoben, falls sie derartiges jemals taten und ob das nun ein Meisterwerk ist oder eben nicht- "ruhige, souveräne Evolution" ist das in jedem Fall, da gebe ich HD Schellnack recht.


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