Equalizer byte-funk.de

Blogs & Mags:

+++
a010_Congstar Logo 80x80

[amazon]

The Thermals

Personal Lifetime

Die letzte Punk-Band schafft's nochmal: The Thermals legen Personal Lifetime kaum 12 Monate später nach. Das wirft auch hier wieder Fragen auf: War das nötig? Kriegen The Thermals das wieder hin? Geht Punk dieser Tage noch? Kommt Personal Lifetime an die großen Sachen des letzten Jahrzehnts überhaupt noch ran? Und muss es das überhaupt? Es sind die alten Fragen der Rock-Galaxie und das muss ja erstmal gar nicht schlecht sein.

The Thermals gehen den fast schon klassisch zu nennenden Weg des Punks: Los mit euphorischem Ungestüm, dann mit weniger Speed und Lärm mehr in Breite gehend, um schließlich entspannten Power-Pop zu rocken. Was seit den Buzzcocks zahllose Combos taten ist auch The Thermals Personal Lifetime. Das einzig verwunderliche daran ist, dass ein solcher Werdegang in diesem Jahrhundert nochmal auf recht unpeinliche Weise funktioniert und anscheinend weder bei alten Fans, noch bei der Kritik ernsthafte Antipathien verursacht.
Trotzdem macht sich bei Personal Lifetime durchaus Ernüchterung breit. Allein die Tatsache, dass die gerade im Rock-Bereich stets schlagzeilenlüsterne Presse sich fast gar nicht dazu äußern mag, könnte als Warnzeichen verstanden werden. Kann aber auch daran liegen, dass The Thermals sich mit ihrem Trash-Sound seit jeher abseits des bildungsbürgerlichen Spektrums bewegen. Sowas über 10 Jahre durchzuhalten und trotzdem recht unbestritten zu den wichtigsten Bands des letzten Jahrzehnts gezählt zu werden, ist keine kleine Leistung.

Diese wird spätestens deutlich, wenn man sie zum Vergleich neben die Kollegen wie The Yeah Yeah Yeahs, The Gossip oder The Libertines stellt. Erstens: Genau da gehören The Thermals nämlich hin. Nicht wegen dem "The", aber sie sind gar nicht mal so untypische Vertreter der letzten Punk-Welle vor 10 Jahren. Neben Two-Hit-Wonder (Libertines), Style-Punks (Yeah Yeah Yeahs) und Pop-Sternchen (Gossip) waren The Thermals schon immer die entspannten Realisten im Spiel. Das hat im Nordwesten Tradition, wie der Deal mit Sub Pop deutlich illustriert. Und erklärt womöglich die weiterhin hohen Sympathiewerte der Band.
Mühelos neben Weltstars stehen zu können, ohne deren Stardom haben zu wollen und lieber mit großer Beharrlichkeit seinen eigenen Stil zu kultivieren, ist eine Personal Lifetime, die einstmals Stoff für Legendenbildung gewesen wäre.

Trotz der spürbaren, aber immer noch kleinen Enttäuschung über den nachlassenden Furor, ist allgemein immer noch große Sympathie vorhanden, was ehedem wohl so nicht in die Tüte gekommen wäre. Ich bin geneigt, das als Lernprozess zu verstehen, in dem das geneigte Publikum sich erfolgreich von realitätsfernen Revolutionserwartungen verabschiedet hat.
Vor diesem Hintergrund ist es fast nur der Schallplattenmann, der "Stagnation" beklagt- lediglich alternativenation setzt noch eins drauf mit der Vermutung, "dass Personal Life tatsächlich ein Schnellschuss ist, der eine Popularitätswelle mitnehmen will". Am anderen Ende der Bewertungsscala findet zuckerbeat, dass Personal Lifetime "das beste Album seit Fuckin A" sei- die Warheit liegt hier mal bei der Mehrheit und zwar genau dazwischen.

Denn schließlich stimmt die Beobachtung, dass The Thermals dem heftigeren Krach "über die Jahre sukzessive abgeschworen" haben (laut). Dass auch Personal Lifetime "aus Lo-Fi immer noch No-Fi macht" (crazewire), stimmt deswegen nicht mehr so ganz, was der Sache aber keinen Abbruch tut. Übrigens halte ich auch die wohlwollende Anmerkung von Alles ist Pop, "dass The Thermals sich fast nur noch im Midtempobereich bewegen", für ein Missverständnis, denn Speed-Freaks waren die Gutsten eigentlich nie.
"Vielmehr scheinen jetzt ihre 60ies Pop-Einflüsse durch" ist die realistische Einschätzung in stylehausen. "Niedlich" sein (Visions) geht trotzdem völlig anders, obwohl die Gefahr "Singalong-College-Rock" (gar kein langweiliges rezensionsgeblogge) nicht von der Hand zu weisen ist. "Das Beharren auf einer expliziten Un-Hippness" (motor) funktioniert auf Personal Lifetime nochmal. Und das bringt wie so oft höhere Sympathiewerte als die explizite Hippness einer Caren O.
Trotzdem scheint es so zu sein, dass The Thermals den Krach nicht so ins Breitwand-Format kriegen, wie es die Generation der 80er recht zahlreich vorführte- hat halt nicht jeder einen Soundgarden mit Dinosaurier.


Creative Commons

Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.) bookmarken