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Vampire Weekend

Keine Frage, Vampire Weekend sind der Indie-Hype 08. Referenznotstand? Mitnichten, die Referenzpunkte werden allerseits geflissentlich heruntergebetet: Talking Heads und Paul Simon. Plus ein paar mikroskopische Verschrobenheiten aus Richtung Animal Collective und The Shins. Auch Clap Your Hands Say Yeah sind sicher Brüder im Anspruch, furchtbar neu & eigenwillig sein zu wollen, aber fast schon zu wüst als Vergleich. "Seltsam weltfremd, versponnen, verschossen in alle möglichen uncoolen Stile und Künstler"- die neutrale Umschreibung einer Pop-Postille. (Und die Assoziation mit Harry Belafonte ein netter Side-Gag). Wer noch nähere Erläuterung zum Coolness-Faktor braucht...

"Oh, eine neue Jungsgruppe aus New York: nicht schon wieder", Rabea Weihser vom Zeit-Blog zeigt sich abgenervt und schafft es als so ziemlich Einzige der ansonsten jubelnden Fachleuteschar, das Problem von Vampire Weekend zu benennen: "Das mag man als Exotismus abtun, als billiges Unterscheidungsmerkmal im Kampf ums Musikerdasein"- genau.
"Durchgeknallt" ist bei Vampire Weekend nun wirklich überhaupt gar nichts und Neuerfindung gibt es hier ungefähr soviel wie beim nächsten Günter Grass-Roman.
"Nachdem Indiepop nun die letzten 6 Jahre damit beschäftigt war die Karriere der Talking Heads nachzuspielen", wie die taz ganz nett blogt, wird der Vampire Weekend-Hype etwas erklärlicher, wenn man denn damit konform geht. Das ist betulicher Akademiker-Pop für Leute, denen Paul Simons Graceland deswegen so hübsch abseitig erscheint, weil sie bei deren Erscheinen anno 86 in den Windeln lagen. Bei solchen ist die Begeisterung über das Pop-Versprechen so verbreitet, dass sich allen Ernstes der Bayrische Rundfunk weigert, dort mitzuspielen:
"Nein, keine olle Kamelle vom stark ergrauten Paul Simon, der Mann, der dem Ethnopop mit der Platte 'Graceland' einst keinen Gefallen getan hat." Dankenschön in Richtung Freistaat, denn es "riecht gefährlich nach allzu smarten Pullunder-Boys", wie das bekannte Underground-Zine laut feststellt. Ein Sound für Musikschreiber mit altersbedingter "Popverdrossenheit", denen dazu dann noch Peter Maffay einfällt.
Wenn tatsächlich die einzige Kunst ist, was irgendwie seltsames zusammenzumischen, dann steht uns das wohl noch bevor.


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